Besuch im Klinikum Wolfenbüttel

Als der Bundestagsabgeordnete Prof. Dr. Reza Asghari das Krankenhaus Wolfenbüttel besucht, geht es nicht allein um Zahlenkolonnen, Defizite oder Krankenhausreformen. Es geht um eine grundsätzliche Frage: Wer bestimmt heute eigentlich noch über die medizinische Versorgung – Ärzte und Pflegekräfte oder zunehmend Verwaltung, Prüfinstanzen und politische Vorgaben? Gemeinsam mit Geschäftsführer Herrn Burghardt, Verwaltungsdirektor Herrn Keunecke, Pflegedirektorin Frau Lubosch und dem Ärztlichen Direktor Dr. Jüttner spricht Asghari über eine Entwicklung, die inzwischen viele kommunale Kliniken in Deutschland belastet.  

Die Verantwortlichen schildern ein Gesundheitssystem, das immer stärker zwischen wirtschaftlichem Druck, politischer Steuerung und medizinischem Anspruch zerrieben werde. Das Krankenhaus Wolfenbüttel beschäftigt rund 1.400 Mitarbeiter. Drei Viertel der Gesamtausgaben entfallen auf Personalkosten – tarifgebundene Löhne, die angesichts des Fachkräftemangels und steigender Anforderungen notwendig seien. Gleichzeitig habe sich die Rolle eines Krankenhauses in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Längst gehe es nicht mehr ausschließlich um die klassische stationäre Behandlung. Krankenhäuser übernehmen heute zusätzliche Aufgaben wie Kurzzeitpflege, ambulante Versorgungsangebote und weitere medizinische Dienstleistungen, die weit über den ursprünglichen Versorgungsauftrag hinausreichen.  

Besonders deutlich wird die Kritik an der zunehmenden Bürokratisierung des Gesundheitswesens. Immer neue Dokumentationspflichten, Prüfverfahren und Vorgaben führten nach Ansicht der Klinikleitung dazu, dass erhebliche personelle und finanzielle Ressourcen gebunden würden. Selbst neue Berufsbilder wie die medizinische Dokumentationsassistenz seien inzwischen entstanden, um die Vielzahl administrativer Anforderungen überhaupt bewältigen zu können. Hinzu komme ein wachsendes Misstrauen gegenüber den Leistungserbringern. Prüfungen durch den Medizinischen Dienst bedeuteten nicht nur zusätzlichen Aufwand, sondern führten häufig auch zu Sanktionen und finanziellen Belastungen für die Krankenhäuser. Die Verantwortlichen schildern eine Entwicklung, in der medizinische Entscheidungen zunehmend unter wirtschaftlichen und administrativen Gesichtspunkten betrachtet würden. Dabei stehe insbesondere die Frage der Aufenthaltsdauer exemplarisch für die derzeitige Problematik. Nach Einschätzung der Klinikleitung werde immer häufiger nicht mehr allein der gesundheitliche Zustand eines Patienten zum Maßstab, sondern wirtschaftliche Vorgaben und festgelegte Liegezeiten. „Wer entscheidet letztlich über die Aufenthaltsdauer eines Patienten – der behandelnde Arzt oder die Verwaltung?“, lautet die zentrale Frage, die während des Gesprächs mehrfach anklingt. Besonders alarmierend sei die finanzielle Entwicklung. Noch vor wenigen Jahren habe das Krankenhaus Wolfenbüttel einen ausgeglichenen Haushalt vorweisen können. Inzwischen würden Defizite von bis zu sieben Millionen Euro erwartet. Ein wirtschaftlich solide geführtes Krankenhaus zu sein, reiche unter den aktuellen Rahmenbedingungen vielerorts nicht mehr aus, so die Einschätzung der Verantwortlichen.  

Für Asghari zeigt der Austausch exemplarisch, vor welchen Herausforderungen kommunale Kliniken bundesweit stehen. Eine hochwertige medizinische Versorgung müsse auch künftig wohnortnah gewährleistet bleiben. Gleichzeitig brauche es Rahmenbedingungen, die medizinisches Personal entlasten, statt immer neue bürokratische Strukturen zu schaffen. Denn je mehr Zeit Ärzte und Pflegekräfte mit Dokumentation und Verwaltung verbringen müssten, desto weniger Zeit bleibe letztlich für die Patienten. 

Prof. Dr. Reza Asghari MdB

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